Dienstag, 6. April 2010

Mit dem "Gummi"-Auto durch Montevideo

Auf der Busfahrt von Colonia nach Montevideo habe ich Zeit, ein wenig zu schlafen. Kurz vor Mitternacht bin ich wieder in der Hauptstadt Uruguays.
Der Übergang in den nächsten Tag ist fließend. Trotz des langen Tages bin ich noch nicht erledigt genug, um sofort in mein Hotelbett zu fallen. Ich finde im Zentrum der Altstadt einen Pub, der offensichtlich die ganze Nacht geöffnet hat.
Ich habe Hunger und bestelle mir eine Pizza und ein frisches Bier dazu. In den Straßen ist ansonsten nicht mehr so viel los. Gegen vier bin ich zurück im Hotel. Zeit, schlafen zu gehen.
Den Morgen beginne ich mit einem Frühstück direkt am Boulevard Artigas. Vorher schaue ich bei Europcar, ganz in der Nähe, vorbei. Ab heute habe ich also ein Auto hier. Ich hätte wahrscheinlich darauf verzichtet, wenn ich an die letzte Taxifahrt denke. Der Verkehr in der City ist zwar nicht übermäßig groß, dafür aber rein chaotisch. Trotzdem möchte ich mich schon unabhängig bewegen können und auch mal aus der Stadt rauskommen. Es ist nicht unbedingt selbstverständlich, in Montevideo zu jeder Zeit ein Mietauto zu bekommen, jedenfalls nicht, wenn man dafür nicht Unmengen bezahlen will. Also bin ich froh, dass es heute klappt. Schon die Übergabe ist spannend. Ich warte bis das Auto aus der Wäsche kommt (das war sicher auch notwendig). Dann erfolgt die Übergabe mit Protokoll, auf dem eine sehr freundliche Angestellte von Europcar jede Delle mit einem Kreuz auf dem Bogen vermerkt. Zum Schluss ist die Darstellung des Autos vor lauter Kreuzen nicht mehr zu sehen. Das Radioteil lässt sich erst nach zehn Versuchen richtig arretieren, die Schaltung ist sehr ausgeleiert und das Kupplungsspiel extrem groß. Ich schaffe es trotzdem zu starten und traue mich todesmutig auf die Straße. Die ist hier ca. 4 Fahrspuren breit, allerdings gibt es keine Markierungen. Wer am schnellsten fährt, bestimmt, wo die Fahrspur langführt.

Ich muss ständig voll aufs Gas treten, um vorwärts zu kommen, schaffe aber die ersten drei Kilometer ohne anzuecken. Dann muss ich Pause machen, um mich vom ersten Stress zu erholen. Außerdem muss ich nachsehen, warum mein Auto plötzlich extrem nach verschmortem Gummi riecht. Ich kann aber nichts Auffälliges entdecken. Ich gönne mir und dem Auto eine kleine Pause.... Am Ende des Tages fahre ich übrigens perfekt! ;-)
Am Ufer des Rio de la Plata kann man um diese Zeit herrlich entspannen. Die Sonne scheint und es ist um diese Zeit nicht zu heiß. Baden kann man hier allerdings nicht. Das Ufer ist sehr steinig, dass Wasser eine ziemlich braune Brühe. Ein Stück weiter in Richtung Stadtzentrum gibt es einen Badestrand mit aufgeschüttetem feinen Sand. Aber auch hier würde ich nur in der allergrößten Hitze mal meinen großen Zeh reinhalten. Es ist eben nicht der Atlantik und deshalb ziemlich gewöhnungsbedürftig. Ich fahre weiter in Richtung ciudad vieja, stelle mein nach Gummi stinkendes Auto in einer Seitenstraße ab und verbringe den Nachmittag mit einem ausgiebigen Stadtbummel.
Ich starte am Plaza Independencia, dem zentralen Platz in der Altstadt, laufe dann durch die kleinen Straßen und Gassen der Altstadt, knipse alles, was mir vor die Linse kommt, besorge ein paar Mitbringsel.. Ich bin heute mal Tourist.
Irgendwann sind die Beine wieder lahm. Ich fahre zurück zum Hotel. Die Fahrt ist sehr spannend. Ich weiß eigentlich nie, wann ich Vorfahrt habe (da ich mich sehr auf die Bedienung meines Autos konzentrieren muss, fällt es mir schwer, auf den Verkehr zu achten). An den Kreuzungen orientiere ich mich einfach daran, wie die anderen Autofahrer reagieren. Das funktioniert ganz gut. Ich komme problemlos im Hotel an. Nach einer kurzen Erfrischung mache ich mich wieder auf den Weg. Mein Magen braucht Beschäftigung und ich möchte heute noch ein wenig unter Leute kommen...
Ich nehme mir ein Taxi, lasse mich in Richtung Zoo bringen und lande in einer Art open air Bar. Tatsächlich sitze ich in einem großen Vorgarten. Der Boden ist mit feinem Kies aufgeschüttet, neben meinem Tisch steht ein (echter!) Baum. Irgendwie fühlt man sich trotzdem 'drinnen', denn es gibt Wände und auch ein Dach aus Zeltplanen. Da es dunkel ist, hab ich tatsächlich das Gefühl, inerhalb eines Gebäudes zu sitzen. Hinter mir ist eine Geburtstagsparty im Gange, vor mir spielt eine Band portugiesische Live-Musik. Die Stimmung ist sehr entspannt, das Essen und der Wein schmecken sehr gut und das alles führt dazu, dass ich schlagartig ziemlich müde werde und Verlangen nach meinem Bett spüre...

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